Eurovision

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Kaum eine Veranstaltung hält am Traum von friedlich vereinten Ländern so nachhaltig fest wie der „Eurovision Song Contest“. Als internationaler Wettbewerb europäischer und nordafrikanischer Rundfunk- und Fernsehanstalten gegründet, sollte er das freundschaftliche Nebeneinander verschiedener Kulturen repräsentieren – und führte letztlich doch zu einem regelrechten Kampf der Teilnehmer…

Musik verbindet
Mit der Vorstellung, dass ein Lied mehr sagen kann als tausend Worte, lud die „Europäische Rundfunkunion“ EBU ihre Mitglieder 1956 zu einem Sängerwettstreit ins schweizerische Lugano ein. Dem Ruf zu diesem musikalischen Kräftemessen folgten neben dem Gastgeber selbst zunächst jedoch nur die Benelux-Staaten Belgien, Luxemburg und Niederlande sowie Deutschland, Frankreich und Italien. Da jeder der Teilnehmer mit zwei Titeln an den Start gehen konnte, ermittelten die sieben Nationen aus insgesamt 14 Beiträgen ihren gemeinsamen Favoriten. Das lustige Liedersingen erregte solche Aufmerksamkeit, dass sich in den nachfolgenden Jahren immer mehr Länder an dem Wettbewerb beteiligten.

Viele Köche verderben den Brei
Von der friedlichen Koexistenz der Anfangszeit war jedoch schon bald nicht mehr viel zu spüren. Weil sich jedes teilnehmende EBU-Mitglied so weit vorn wie möglich platzieren wollte, geriet der Spaßfaktor zunehmend zur Nebensache. Um bei der Preisvergabe nicht leer ausgehen zu müssen, bestimmten die einzelnen Länder ihre Vertreter nach immer härter werdenden Kriterien. Nachdem eine Regeländerung von 1966 zwingend Liedtexte in Muttersprache forderte, verlegten einige Staaten sich auf nationale Vorentscheide. Diese sollten eine würdige Repräsentation der jeweiligen Nation garantieren; beförderten aber vor allem folkloristisch gefärbte Beiträge.

Punktabzug bei der Punktvergabe
Auch das Bewertungsverfahren geriet zunehmend unter Kritik. Während die zehnköpfige Jury in den ersten Jahren pro Favorit nur einen Punkt vergeben konnte, stieg die Anzahl ab 1962 auf bis zu drei. Weil manche Länder dadurch jedoch vollkommen leer ausgingen und andere sich die Preisvergabe teilen mussten, änderte sich diese Regel innerhalb der folgenden Jahre noch mehrfach. 1975 gingen die Veranstalter zu dem legendär gewordenen „Douze Points“-System über, das jedem Land Gewinne zwischen einem und acht bzw. 10 oder 12 Punkten sicherte. Seit Ende der 1990-er Jahre besteht durch Publikumsvoting die Möglichkeit, etwas Ähnliches wie nationale Vorentscheide zu treffen und die Länderwertung dadurch zusätzlich zu beeinflussen.

Selbst ist das Land
Leider zeigten sich viele Teilnehmer auch damit unzufrieden, so dass die EBU seit 2008 mit einer jährlichen Neuregelung der Punktvergabe aufwartet. Fast hätte sie dabei ihr eigentliches Ziel vollkommen aus den Augen verloren: die musikalische Vielfalt und das friedliche Anliegen des Eurovision Song Contest zu fördern. Zum Glück haben sich die einzelnen Nationen selbst auf diese Ursprünge besonnen und entsenden weiterhin genau jene Vertreter, die sie durch nationale Vorentscheide ermittelt haben und für besonders geeignet halten.

Spuren der Zeit
Dank dieses Selbstbewusstseins präsentiert sich der Eurovision Song Contest heute als ein buntes Potpourri unterschiedlichster Stile und Ausstattungsmerkmale. Neben kompositorischen und gesanglichen Qualitäten entscheiden zunehmend auch Auftritt, Charisma und Individualität der Interpreten über die Preisvergabe. Damit zeigen sich Mentalität und Nachbarschaftsbeziehungen der einzelnen Länder weitaus deutlicher als durch die strenge Einhaltung des immer wieder für Streit sorgenden Regelwerks.

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