Home away from home

Heute erlauben die Amerikaner den Reisenden zwei Koffer. Jedes Mal muss ich von neuem nachsehen, ob pro Koffer 20 oder 30 Kilo gestattet sind. Das reduziert die Anzahl an Dingen, die man aus reinem Erinnerungswert mitnehmen möchte, erheblich. Der praktische Nutzen diktiert. Sachen müssen her, besonders warme Wintersachen und gute Schuhe, wenn es nach Neuengland geht zum Start des Semesters. Der Wasserkocher, Fön, elektrische Zahnbürste und andere elektirsche Geräte können dableiben. Die Steckdosen sind anders in Amiland und es lohnt sich nicht, für alles einen Adapter mitzunehmen. Jetzt, Anfang und Mitte September, gibt es in den grossen Einkaufshäusern Ausverkauf für Schüler und Studenten. Da werden einem kostengünstige Lampen, Küchengeräte usw. vor die Nase gesetzt.

Ein paar Tassen und Teller vielleicht, die vermitteln dann gleich ein heimisches Gefühl im sterilen Wohnheimzimmer oder leeren WG-Zimmer. Die Lieblingsbücher, die einen schon das ganze Leben lang begleitet haben. Fotos der Familie, die man aufstellen kann. Musik, Kamera und Computer. Alles andere ergibt sich. Flohmärkte sind auch hier ein beliebter Sonntagsvertreib. Hier kriegt man nicht nur den Tisch für die Küche sondern lernt auch gleich Leute aus der Umgebung kennen. Möbel: wer Geld ausgeben will und alles wie zu Hause wiederaufbauen möchte, kann zu IKEA fahren. Ich habe schon perfekte Replika deutscher Wohnzimmer und Studentenbuden gesehen.

Günstig sind die Telefontarife. Es gibt Telefonkarten, mit denen man für zwei Cent die Minute nach Europa telefonieren kann. Der Kontakt zum ‚home’ kann also ohne weiteres erhalten werden, auch durch Email. Wer an der Uni studiert, hat Zugang zu Computer im Computerzentrum oder auch in der Bibliothek.

Lieb gewordene Gewohnheiten von zu Hause wie die Squashstunde montags oder die Volleyballrunde können weitergeführt werden. Fitnessstudios wachsen wie Pilze aus dem Boden, an Sport ist so ziemlich jeder interessiert und organisiert. Sport ist überhaupt ein gutes Gesprächsthema, um anzukommen. Die Neuengländer fühlen so sehr mit ihrem Baseball- und Basketballteam mit, das erinnert schon an uns Deutsche und die Fangemeinden der Fußballklubs.

Mittlerweile habe ich sogar deutsches Brot im Supermarkt gefunden, schön konserviert in Plaste eingeschweißt, aber besser als das schlabberige Toastbrot. Jetzt fülle ich also meine Koffer nur noch mit Kinderschokolade, Spezialtee, Büchern und Musik Cds und DVDs.

PS: Übrigens nutzte Dowlatow den Inhalt seines Koffers nie. Das Hemd, die Strümpfe …, alles hatte seinen Platz in der Sowjetunion gehabt. Hier war auch die Qualität überzeugender. Neues Leben, neue Heimat – neues Outfit?!

Keine Meinungen

  1. Warum gibt es hier eigentlich nur noch Produkt-Tipps?

  2. Liebe Taqesmutter, das liegt daran, dass ich mich auf Rezensionen spezialisiert habe (siehe auch Buchblog) und alle anderen Autoren derzeit nichts beitragen. Was sich hoffentlich bald wieder ändert. Und vielleicht finden sich ja auch ein paar neue Autoren, die sich anderer Themen annehmen – ich fände es schön!

  3. Für mich ist eine Rezension kein Produkt-Tipp. Alle Eltern sollten froh sein, wenn sie Tipps bekommen, welche Bücher gut sind bei 4000 Neuerscheinungen jährlich allein auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt. Kinderbücher sind keine Baby-Creme, sondern ein Stück Kultur!

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