Heute vor?zwei Jahren wurde Franz Müntefering zum SPD Parteivorsitzenden gewählt.

Es scheint fast so, als sei
der Chefsessel der SPD zur Zeit ein Schleudersitz. Schröder, Müntefering,
Platzeck – gleich drei Genossen versuchten sich in den letzten sieben Jahren als
Chef der ältesten deutschen Partei.
 
Schröder, der im April 1999 den
Vorsitz des fortgelaufenen Lafontaine übernahm, wurde von der Partei nie
geliebt. Man respektierte ihn, weil er die SPD an die Macht brachte. Für den
linken Flügel der Partei und sozialdemokratische Herzensangelegenheiten, wie
den Ausbau des Sozialstaates, hatte der „Genosse der Bosse“ aber nie viel
übrig. Die Partei war ihm immer mehr Last als Liebe.
 
Müntefering hingegen war die Seele der Partei. Er verkörperte, ja repräsentierte, sozialdemokratische
Tugenden und Werte. Im Gegensatz zum Kanzler war er stets der Liebling der
Genossen. Er hatte ein offenes Ohr, für die Anliegen der Agenda 2010 geplagten
Mitglieder, er verstand die Ängste und Sorgen der kleinen Leute und sah sich
als ihr Anwalt. Er wollte sie vor dem rauen Wind der globalisierten Welt
beschützen.
 
Um so größer war der Schock,
als Müntefering im Herbst 2005 seinen Rücktritt erklärte. Die SPD hatte kurz
zuvor die Macht im Bund verloren und nun trat auch noch der Parteivorsitzende
und designierte Vizekanzler zurück. Die Partei schien zu implodieren.
Müntefering stand als das bockige Kind dar, dass, nur weil es nicht nach seinem
Willen läuft (sein Vertrauter Kajo Wasserhövel bekam nicht den von Müntefering
gewünschten Posten), die Brocken hinschmeißt.
 
Doch schneller als gedacht
fand sich Ersatz. Matthias Platzeck, der brandenburgische
Ministerpräsident, wurde für fähig befunden, die SPD zu führen, ihr ein neues,
modernes Profil zu geben und auch noch mit den SPD Ministern der
Bundesregierung erfolgreich zusammenzuarbeiten. Der Beginn seiner Amtszeit
wurde euphorisch als Aufbruch zu neuen Ufern gefeiert.
 
Mittlerweile ist die
Anfangseuphorie jedoch verflogen. Die Mühen der Ebene, d.h. die Erarbeitung
eines neuen Grundsatzprogramms, die tagtägliche Arbeit in den Gremien und die Auseinandersetzungen
mit der Bundesregierung, insbesondere mit seinem Vorgänger und jetzigem
Arbeitsminister Franz Müntefering, haben ihn eingeholt.
 
Es bleibt abzuwarten, wie
lange sich Platzeck auf dem Schleudersitz SPD Chef halten kann.

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