G8-Kritik als Tourismusprogramm?

Am Wochenende trafen sich in der Hansestadt rund 300 G8-Gegner zu einem Aktionstreffen, um über gemeinsame Proteste gegen den Gipfel zu beraten. Tatkräftige Unterstützung erhielten sie dabei von der PDS. Zwar gehört die Partei nicht offiziell zu den Organisatoren des Treffens. Allerdings sorgte die der PDS-nahestehende Kultursenatorin Rostocks, Ida Schillen, für ein Ausweichquartier, nachdem die Universität ihre Räumlichkeiten kurzerhand nicht mehr zur Verfügung stellen wollte. Das heikle an der Sache, es handelte sich um ein öffentliches Gebäude, das den „Gipfel“-Teilnehmern auch zur Übernachtung zur Verfügung stand. Und auch inhaltlich beteiligte sich die Linkspartei.PDS, in Person ihres stellvertretenden Landesvorsitzenden Steffen Bockhahn an der Veranstaltung.
 
Da die Teilnehmer nicht nur debattieren und sich in ihren ohnehin schon festgefahrenen Meinungen bestärken wollten, wurden gleich erste Aktionen geplant. Unter sechs verschiedenen Arbeitsgruppen (Gegengipfel, Blockade, Repression, Großdemonstration, Kulturevent und Camp 2007 ) konnten die Anwesenden wählen, allerdings unter Ausschluss der Presse. Die wurde freundlich gebeten „sich vom Acker zu machen”.
 
Das war aber schon mal anders, denn der Rostocker PDS ist der Gipfel schon länger ein Dorn im Auge. Ihr (gescheiterter) Bundestagskandidat Steffen Bockhahn zog mit dem Thema sogar öffentlichkeitswirksam in den Wahlkampf. Seinerzeit forderte er die Einrichtung einer Stabsstelle in der Stadtverwaltung, die eine „mögliche Beeinträchtigungen der Infrastruktur verhindern und eine eventuell notwendige Gefahrenabwehr steuern“ sollte. Heute schlägt der 27-jährige moderatere Töne an und sieht in den G8-Gegnern Potential für den Tourismus verborgen: „Nächstes Jahr werden mehrere 10.000 Menschen herkommen, um zu protestieren, die bringen auch ne Menge Geld in die Region.“


Hoffen wir, dass Bockhahn nach dieser Aussage nicht neoliberale Tendenzen vorgeworfen werden.

3 Meinungen

  1. Steffen Bockhahn

    Ach Stefan, Du musst Dich genauer informieren. Zum einen war die Forderung nach einer Stabstelle gar nicht von mir, sondern im Original vom Rostocker OB Methling, wenn auch in etwas anderer Form. Zum anderen war ich längst nicht der einzige Vertreter der Linkspartei.PDS auf der Konferenz. Es waren mehrere Landtagsabgeordnete und weitere Mitglieder da. Kann aber sein, dass Du die nicht kennst…Abgesehen von diesen Falschaussagen von Dir, fehlt Deinem Beitrag die innere Logik. Man kann schlecht mehr Toleranz und Offenheit von den GipfelkritikerInnen einfordern und sie andererseits als borniert und festgelegt abstempeln.Aber wir können gerne mal an der Uni darüber reden. Nächstes mal auch gerne, bevor Du Halbwahrheiten schreibst.

  2. Hallo Steffen, zunächst freue ich mich, dass du dich an der Diskussion beteiligst. Falls ich Falschaussagen getroffen haben sollte, was ich bestreite, da ich die Quellen, die mich zu meinen Beurteilungen führten, angegeben habe, tut mir das leid. Allerdings sind Blogs ja durch eine Diskursethik geprägt, die im Rahmen von Kommentaren zu einer ausgewogenen Beurteilung von Sachverhalten führen sollen. Vielleicht könntest du die Falschaussagen auch noch einmal näher benennen, damit wir wissen, wovon wir reden.Festgefahren ist die Meinung der Kritiker doch dahingehend, dass sie den Gipfel ablehnen. Oder liege ich da etwa falsch? Warum dir dann die innere Logik fehlt, wenn ich mehr Toleranz fordere, ist mir unschlüssig.Übrigens war gestern internationaler Tag der Pressefreiheit. Wie erklärst du da die pressefeindliche Haltung auf dem Gipfel? Dass die NNN da mitspielt, kann ich ja noch verstehen, aber von einem Blog, kannst du nicht erwarten, dass Lagebeurteilungen von Involvierten eins zu eins veröffentlicht werden.

  3. Beim diesjährigen G8-Treffen in Heiligendamm waren sie alle versammelt: Die Meinungsfänger und Meinungsmacher, die Profis und die Dilletanten, die Spendengeber und die Spendensammler, die Ehrlichen und die Dummen. Eine großartige Vorstellung: In der Rolle der G8 die Regierungschefs der “8 größten Industriestaaten” (ohne China, ohne Indien, aber mit Rußland und mit Italien..). 1975 wurden diese regelmäßigen und in erster Linie informellen Treffen ins Leben gerufen mit Blick auf eine damals handlungsunfähige UNO. Natürlich geht es um Interessen, wer wollte das leugnen, schließlich ist es nicht die UNO. Andererseits erwartet niemand von diesen Treffen Entscheidungen oder Beschlüsse, die über UNO-Beschlüsse hinausgehen. Oder doch?Dies scheinen jene, die aus den unterschiedlichsten Gründen die Rolle der “G8-Gegner” gaben, übersehen zu haben. Einhellig wird die Legitimation des Treffens dieser durch demokratische Wahlen legitimierten Regierungsvertreter bestritten, um im gleichen Atemzug weitreichende Forderungen zu stellen. Motto: Rettet die Welt (die Wale, Afrika, das Klima…) jetzt. Sofort. Es ist doch sooooo einfach.Und seid ihr nicht willig…Einer der lustigsten Äußerungen kam von Herbert Grönemeyer, der (vermutlich noch nicht einmal wider besseres Wissen) behauptete, in Afrika würden täglich 15-20.000 Menschen auf Grund der Klimaveränderungen sterben, dies sei ein Skandal. Natürlich ist es das. Was ihm aber mal gesagt werden müßte: Es starben dort mal deutlich mehr Menschen an Hunger, die heute auch aufgrund der Globalisierung überleben. Das Motto: Gebt mehr Geld, dann retten wir Menschen vor der Kimkakatastrophe ist dermaßen naiv, dass man auf Unwissen nur hoffen kann – ansonsten wäre es reinster Zynismus oder erschreckende Dummheit.Das Konzert von Grönemeyer vor 70.000 Menschen (der Eintritt war frei) in Rostock war ein netter Zug. Was ist auch dagegen zu sagen, wenn sich Unterhaltungs-Kommerz und Werbung für Afrika gegenseitig ergänzen, eine klassische Win-Win-Situation. Das einzige Ärgernis besteht darin, dass sich diese Freizeitpolitiker aufspielen, als wäre die afrikanische Katastrophe (die gar keine kontinentale, sondern stark differenziert eine regionale ist) allein mit Geld aufzuhalten. Diese deppernen Forderungen ignorieren den wirtschaftlichen Erfolg Südafrikas ebenso wie die hausgemachten Probleme regionaler Potentaten und Diktatoren. Aber wen interessieren schon afrikanische Details, wenn die eigentlich spannenden Fragen sich daran messen, wie man am cleversten die Polizei provoziert. “Kampfgefühle” für das Tatenrühmen zu Hause, auch wenn man nur eine unwichtige Zufahrtsstraße blockiert hat.Tita von Hardenberg kommentierte die neueuropäische Attac-Culture sarkastisch: “Man tanzt und feiert und hat dabei noch das gute Gefühl, der Welt erinen Gefallen zu tun”.So schön kann Protest und Widerstand sein. Und wogegen war man gleich nochmal? Gegen die G8 oder gegen die nicht weitreichenden Beschlüsse dieses angeblich nichtsnutzigen Haufens? Lieber nicht weiter darüber nachdenken. Ein unlösbarer Widerspruch, bei dem natürlich auch Greenpeace nicht fehlen darf. Immerhin sind diese Medienprofis der eigenen Verpflichtung zu spektakulären Bildern passend zu den Abendnachrichten verläßlich nachgekommen. Ach ja, und was hatten sie eigentlich vor? Tatsächlich, nur ganz friedlich eine Petition abgeben? Und das ging wohl nicht per Pressekonferenz? Dazu mußte man also tatsächlich mit 11 Schnellbooten eine international sanktionierte Sperrzone durchbrechen wollen? Und dann wurden die Boote wirklich mit Gewalt abgedrängt? Es gab Verletzte?? Unerhört! Polizeistaat! Diktatur!Auf die Idee, dass es ja auch eine hübsch etikettierte Aktion von Osamas hippen Selbstmordreitern gewesen sein könnte kam Greenpeace nicht. Na ja, man kann ja nicht an alles denken, wenn das eigene Spendenkonto schon genug Kopfzerbrechen bereitet. Wie wäre es denn, beim nächsten mal mit einem Flugzeug in die Sperrzone einfliegen zu wollen? Was – zu gefährlich? Ach, kommt schon ihr spaßigen Draufgänger…

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*