Flexible Arbeitsverhältnisse in der Zukunft

Traditionelle Erwerbsbiographien sterben langsam aber sicher aus. Der garantierte Arbeitsplatz ist für immer weniger Menschen vorhanden. Outsourcing ist heute geübte Praxis. Der ununterbrochene Wandel in den Unternehmen unterstützt flexible Arbeitsverhältnisse in verschiedenen Ausprägungen:

  • Preisgünstige Praktikanten und Studenten, die für vergleichsweise geringes Geld vermehrt wissensintensive Arbeiten durchführen, die bislang von vergleichsweise teuren Experten erledigt wurden.
  • Multi-Jobber, die für ihren Lebensunterhalt oder zur Erfüllung besonderer Wünsche mehrere Anstellungen annehmen.
  • Leiharbeit über Zeitarbeitsagenturen spielt vermehrt auch für wissensintensive Tätigkeiten eine Rolle. Entsprechende, und durchaus erfolgreiche, Agenturen gibt es inzwischen auch für diplomierte Kaufleute, Ingenieure und Techniker.
  • Freie Projektmitarbeiter, die temporär Spezialaufgaben im Unternehmen wahrnehmen. Im Unterschied zu heute nicht mehr nur im Rahmen von ausgeschriebenen Projekten sondern verstärkt als integrierter Bestandteil der Personal- und Kapazitätsplanung.

Gemeinsam ist diesen Typen, dass mehrere Beschäftigungen nebeneinander oder kurz nacheinander ausgeübt werden. Häufig neben einer Hauptbeschäftigung, häufig ohne längerfristige Engagements.

Für die Unternehmen sind die steigende Flexibilität, Konzentration und geringere Arbeitsplatzkosten die Hauptargumente. Damit dieser Schuß nicht nach hinten losgeht, müssen seitens der Unternehmen verschiedene Punkte beachtet werden:

  • Diese Art zu Arbeiten hat ist körperlich und psychisch belastend. Gerade in Jobs bei denen es um Genauigkeit, Konzentration oder körperliche Höchstleistung ankommt sind daher zusätzliche Kontrollen einzukalkulieren. Mit den dadurch entstehenden Personalbedarfen, Verwaltungsaufwänden und Kosten.
  • Die Mitarbeiterbindung wird abnehmen. Das bedeutet zum einen höhere Fluktuation und damit einhergehend andere Vorgehensweisen im Personalwesen. Zum anderen werden Mitarbeiter als Multiplikatoren im Marketing nach Aussen keine wichtige Rolle mehr spielen. Ihre Identifikation mit dem Unternehmen und den Produkten wird zurückgehen.
  • Die vorausschauende Kapazitätsplanung wird ein erfolgskritischer Bestandteil der Planungs- und Arbeitsvorbereitungsprozesse werden. Ein nicht zu unterschätzender Faktor dabei wird die Zuverlässigkeit des multijobbenden Personals sein. Wird hier keine hohe Prozessqualität erreicht, so wird das direkt negativ auf die Qualität der Produkte auswirken.

Seitens der Mitarbeiter: So neu ist dieses Multi-Jobbing nicht. Viele Freiberufler und Projektmitarbeiter kennen es schon lange. Neu ist allerdings die gesellschaftliche Breite, in der diese Art zu Arbeiten eine zentrale Rolle spielen wird. Es werden viele Menschen davon betroffen sein. Wenige werden dies freiwillig machen und viele werden mit den daraus erwachsenden Belastungen nicht umgehen können.

Ob wir diese Welle aufhalten können? Ich glaube nicht. Die bessere Frage ist: Sind wir als Gesellschaft und die individuell Betroffenen und deren soziales Umfeld darauf schon vorbereitet? Und wie können wir uns darauf vorbereiten.

Weiterlesen: David K. Shipler: "The Working Poor", Vintage Books 2005

Eine Meinung

  1. Die Veränderung der Arbeitswelt ist keine Zukunftsfrage mehr. Es wird in immer mehr Medien (z.B. in „Die Zeit“) vom „Prekariat“ geredet. eine neue Armut selbst hoch gebildeter Menschen. Mercedes Bunz benennt dies in selbem Zusammenhang mit „Urbanes Pennertum“.Firiebe und Lobo, mitgründer der Riesenmaschine schreiben von einer neuen Form von Arbeit. Sie nennen es Digitale Boheme.Nähere kann man unter folgendem Link nachlesen:http://phlow.net/mag/buchkritik/friebeholm_wir_nennen_es_arbeit.php#more-000944Das Thema ist aktueller denn je, denn die Globalisierung sorgte dafür, das es lokal ein wenig mit dem Jobangebot strauchelt. Wer immer Sicherheit im Beruf suchte, wird diese nicht mehr finden. Sich selbst auf die Suche zu machen und selbst Angebote zu erstellen scheint heute die sichere Alternative zu sein.

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