Du bist die Knolle

Bei Kunst und Kartoffel denkt man: Kenn ich – Kartoffeldruck! Von wegen. Die BZ, notorisch ganz weit vorne, was die smoothe Kombination von Hoch- (Kunst) und Tiefkultur (Kartoffel) anbelangt, entdeckt ungeahnte Zusammenhänge. Auf den Tag 250 Jahre ist es her, lehrt uns Gunnar Schupelius in seiner Mensch-ärger-dich-Kolumne, dass Friedrich II. die Kartoffel gegen den Geschmacksnerv seiner Zeit durchsetzte und damit den Siegeszug des “deutschesten aller Nahrungsmittel” initiierte. Ist doch toll! Ja, schon, aber. Mal ehrlich, wär das heut noch denkbar? Eben nicht. Die Kartoffel gibt’s ja schon. Weshalb uns der “gerechte Zorn” des Gunnar Schupelius und sein Ruf nach “Innovationen” (Kartoffel) und “starken Persönlichkeiten” (Friedrich) auch knollenmäßig kalt lässt für den Moment.

Eh, nich so schlimm, gibt ja noch Kunscht! Pünktlich zur 4. Berlin Biennale laden die Kunstexperten der BZ-Redaktion zum Rundgang durch die Berliner Auguststraße, die zu diesem Anlass von oben bis unten mit Kunst “belegt” wird. In den Werken aber, ach, lauter “Angst und Verwirrung”. Die Kunst ist wie das Leben selbst, möchte man ihr zurufen, aber das weiß die BZ längst. Entsprechend wenig wundert sich Hans-Werner Marquardt über die ausgestellte “Angst und Orientierungslosigkeit”. Was ist die Welt schließlich? Kriege und Katastrophen. “Da hilft nur Gottvertrauen”, meint er. Oder, halt, könnte nicht die Kunst vielleicht, na klar – “etwas mehr Zuversicht, bitte!” –, frei nach Martin Luther, “ein Apfelbäumchen pflanzen”? Oder eine Kartoffel?

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