Die Leiden des jungen Heinz Strunk – Studio Braun im Schauspielhaus

Studio Braun, das sind Heinz Strunk, Jacques Palminger und Rocko Schamoni. Die Telefonaktivisten nahmen sich des ungeliebten Genres der Operette an. Zumindest behaupten sie das, denn die musikalische Untermahlung der Muckband „Tiffany“ liegt doch eher auf der Schlagerebene, wenn Gurki und Band in ihren Glitzersakkos voll aufdrehen. Der Zuschauer schwankt zwischen Faszination und Abgestoßen sein. Auch die Sprüche des Bandchefs, dem Veteran des schlechten Kalauers, entlocken dem Publikum ein belustigtes Aufstöhnen.

Den Stoff bietet die katastrophale Jugend Heinz Strunks. Aufgewachsen in Harburg, versucht er dem begrenzten Umfeld zu entfliehen, dem Licht hinterher, das hartnäckig von ihm wegschwenkt. Seine manisch-drepressive Mutter spielt Strunk höchstpersönlich. Opa und Oma werden von den zwei weiteren Studio-Braun-Mitgliedern gekonnt dilletantisch verkörpert. Der Antiheld Heinz wird virtuos von Guido Lambrecht gespielt, der ein wenig an Mike Myers erinnert.

Das Bühnenbild wirkt comicartig. Die Band spielt in einem überdimensionalen Radio, dagegen ist das Einfamilienhaus, in dem Heinz lebt, viel zu klein, ein Zwergenhaus. Im Dachgeschoss kauernd, komponiert Heinz seinen ersten Song „You got to give me a chance“, sein Lebensthema und ein echtes „Ohrwürmchen“. Anstelle der regulären Pause, servieren die Schauspieler dem Publikum Ei-Variationen – Hartgekochtes Ei mit Mayonnaise, Eierlikör oder Spiegelei – von denen allerdings nur die drei ersten Reihen profitieren. Das Stück ist schwer zu beschreiben, aber ein Erlebnis aller erster Güte! Den ständigen lautstarken Begeisterungsbekundungen der Zuschauer nach zu schließen, war ich nicht die Einzige vom Stück Begeisterte. Schade, dass es schon vorbei ist!

Im Mai 2005 wurde „Phoenix – Wem gehört das Licht“ uraufgeführt. Doch zum Glück gab es im September 2006 ein Wiedersehen. Auch dieses Mal waren die Schauspieler mit Feuereifer dabei und mussten noch immer selbst über ihre eigenen Dialoge lachen. Ich hoffe darauf, dass das Schauspielhaus ein weiteres Mal Erbarmen hat und dies nicht die letzte Vorstellung der Anarcho-Operette war. Gerüchten zufolge kommt die Geschichte des pickeligen, unzufriedenen Tanzband-Musikers auch in die Kinos. Man darf gespannt sein.

Hier noch einmal einige Ausschnitte aus dem unvergesslichen Stück. Zum Neuerleben und zum Erinnern.

Text, Regie und Musik: Studio Braun / Bühne: Damian Hitz / Kostüme: Dorle Bahlburg / Video: Ulli Lindenmann

Es spielen: Rica Blunck, Lana Cooper, Cleo Maria Kretschmer, Felix Goeser, Guido Lambrecht, Jacques Palminger, Rocko Schamoni, Heinz Strunk; Musiker: Lieven Brunckhorst, Martin Engelbach, Dirk Ritz.

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