Die (gähn) Rechtschreibreform ist (gähn) in Kraft

Wenn Sie, liebe Leser, nun diesen Satz lesen, muss ich davon
ausgehen, dass Sie sich doch tatsächlich noch vom Thema vereinnahmen lassen. Gut.
Sie haben es so gewollt! Die ganz Hartgesottenen unter Ihnen können sich auf
der Website des Rats für deutsche Rechtschreibung einige PDF-Dateien
herunterladen. Dort gibt es ausführliche Darstellungen der neuen Regeln, aber
auch eine 177-seitige Wörterliste, anhand derer die Anders- oder
Gleichartigkeit der Schreibung einzelner Wörter nachgeschlagen werden kann.

Scrollt man das offizielle Wörterverzeichnis durch, stellt
man fest, dass rund 95 % der verzeichneten Begriffe zumindest gefühlt nicht
anders geschrieben werden als bisher auch. Wo ist denn da die Revolution?
Riesentheater hat´s in den letzten zehn Jahren schließlich um diese Reform gegeben.
Warum bloß? Wird man letztlich nicht belastbar erklären können. Meiner Meinung
nach haben sich da bloß ein paar Pseudointellektuelle und auch ein paar Echte
um des Kaisers Bart gestritten. Im Prinzip ging es dabei nur ums Recht haben
(kann man übrigens auch kleinschreiben: recht haben).

Wo wir schon bei den Beispielen sind: Klein schreiben geht auch,
bedeutet dann aber „in kleiner Schrift schreiben“. Meint man den Unterschied zum
Schreiben in Großbuchstaben, heißt es kleinschreiben.

So. Wer hat denn nun letztlich gewonnen in dieser Spielart
des Hornberger Schießens? Unter akademischer Betrachtung würde ich niemandem
einen Sieg zusprechen. Wirtschaftlich hat am ehesten vielleicht noch die
Lehrbuchindustrie was davon. Dabei handelt es sich aber nur um einen
kurzfristigen Effekt. Eltern von Schulkindern werden sich nicht besonders
freuen, wie auch in den ganzen letzten zehn Jahren schon nicht. Hier könnte bei
besonders pedantisch Veranlagten sogar die jetzt durchgeführte Reform der
Reform zu kleineren Neurosen führen. Pädagogen wird´s am Ende wohl egal sein.
Lehrt man halt was marginal anderes.

Gewinner dieser nutzlosen Geschichte sind jedoch aus ganz
praktischen Gründen all diejenigen, die nicht mit dem Herzen oder sonstwie an
dem Reformwerk hängen. Menschen wie Du und ich. Bereits seit Jahren hört man
doch immer wieder den Spruch, dass man seit der Reform gar nicht mehr so recht
wisse, was man nun wie schreiben muss. Ja und? Sagt das Gegenüber dann. Ich
schreibe auch so, wie ich es für richtig halte.

Der eigentliche Verdienst der Reform und deren Reformen ist
also, dass im täglichen Schriftverkehr kaum noch einer in der Lage ist, falsch
von richtig zu unterscheiden. Und das hat doch was Befreiendes, oder?

P.S.: Wenn Sie diesen Beitrag lesen und dabei
Rechtschreibfehler finden, können Sie sie gern behalten. Ich weiß nämlich seit
der Reform nicht mehr, was nun eigentlich wie geschrieben wird  😉

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  1. Christoph Berger

    Für diejenigen, die es doch interessieren sollte: einen Crashkurs zur neuen Rechtschreibung bietet auch der Duden an. Und zwar unter:http://www.duden.de/index2.html?neue_rechtschreibung/crashkurs/crashkurs.htmlUnd um allen Spekulationen vorzubeugen: dies ist keine Werbung, sondern lediglich ein nützlicher Tipp. Der Kurs ist zudem kostenlos.

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