Der Papst ist der Papst ist der Papst

Ach, was regen wir uns wieder auf! Die Muslimbruderschaft ist dabei, türkische Religionsbehörden auch und die Zentralräte der Muslime in Deutschland und Frankreich dürfen auch nicht fehlen. Und das alles nur, weil der Papst in einer Rede einen über 600 Jahre alten Dialog zitierte(!). 

Es sprach damals der byzantinische Kaiser Manuel II Palaeologus mit einem muslimischen Gelehrten über Islam und Christentum. Benedikt griff sich, nach eigener Aussage nun eine eher „marginale Stelle" heraus, um über die Rolle von Religion und Vernunft zu philosophieren. Das zwischen Glauben einerseits und Vernunft (=Wissen) andererseits, spätestens seit der Aufklärung, ein erhebliches Spannungsfeld existiert, dürfte dem geneigten Betrachter dabei bewusst sein.

Der Kaiser sprach also: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, daß er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten"

Benedikt führt dann weiter aus: „Der Kaiser begründet dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. „Gott hat kein Gefallen am Blut, und nicht vernunftgemäß zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider. Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des Körpers. Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung . . . Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann ".

Also: Gott verachtet Gewalt weil sie nicht vernunftgemäß ist und den Zweck der Bekehrung nicht erfüllen kann. Die Bekehrung kann allein durch „gute Rede und gutes Denken" erreicht werden. Heute würde man wohl sagen, man muss die „hearts and minds" der Menschen gewinnen. Was ist daran nun auszusetzen? Vielleicht das Mohammed die ganze Sache mit dem Schwert betreiben will und andere Religionen, insbesondere die katholische Kirche, dies auch Jahrhunderte lang mit Gewalt versuchten? 

Der Unterschied ist jedoch, dass die katholische Kirche es irgendwann eingesehen hat, das es falsch war. Und dies ist Jahrhunderte her. Man kann also unterstellen, dass sie aus ihren eigenen Fehlern gelernt hat. Es gibt heute weder Kreuzzüge noch die heilige Inquisition. Die Kirche hat sich humanisiert, wenn man so will, zu ihren Wurzeln zurückgefunden.

Doch warum fühlen sich einige Muslime nun beleidigt? Weil der Papst eine Textstelle zitierte, in der behauptet wurde, das Mohammed nichts Neues brachte und statt zu predigen den Glauben mit dem Schwert verbreitete? Über ersteres kann man streiten, friedlich. Letzteres ist eine historische Tatsache. Grund zum beleidigt sein? Null. Das ganze erinnert ein wenig an die inszenierte Aufregung nach den Mohammed Karikaturen.

Und außerdem: der Papst ist der Papst ist der Papst. Warum sollte ausgerechnet er, andere Religionen über den grünen Klee loben?

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