Der Kleinkrieg auf Sachbearbeiterebene

Eine Präsentation ist was Wunderbares. Auf der einen Seite extrem hohe Erwartungshaltung, auf der anderen Seite der Kunde. Ja, ich habe eine Erwartungshaltung. Ich erwarte, dass der Kunde sein Briefing kennt. Ich erwarte, dass der Kunde unterscheiden kann zwischen ihm als Repräsentant einer juristischen Person mit wirtschaftlichen Zwängen und ihm als natürlicher Person mit Neurosen.

Zur Qualität von Briefings vielleicht später mal was an dieser Stelle, jetzt aber hinein ins Vergnügen. Pappenkoffer auf, Beamer an, Lippen bis an die Ohrläppchen gedehnt – grins – es kann losgehen.

 Zur Qualität von Präsentation von Kundenberatern vielleicht später mal was an dieser Stelle, jetzt aber das, worauf alle gewartet haben: bunte Bilder, schöne Headlines, riesige Aktionen, beeindruckende Mechaniken. WOW – danke, wir melden uns Montag.

Mittwoch wird uns mitgeteilt, dass der Vorstand, aber auch der Vertrieb es nicht so ganz verstanden haben. Warum, frage ich mich, erklärst du Schmock es ihm dann nicht? Das ist die eine Variante.

 Die andere: Man hatte das Glück, vor dem Verantwortlichen zu präsentieren, der das dann auch verstand, denn wahrscheinlich liegt es weniger an seiner kognitiven Kompetenz als an der defizitären internen Präsentation, dass die Verantwortlichen was nicht verstehen, denn ihnen subtil Dummheit zu unterstellen, was die Assistenz ja gerne tut, ist schlicht unverschämt. Er gibt’s frei und verweist uns für die Details an seine Abteilung, die dann alles tun, diese Idee mit Details zu töten. Störer, Fußnoten und bitte Fachtermini aus dem Handbuch der Jurisprudenz, alles rein, bis nichts mehr bei rauskommt.

 Korrekturen, die nicht korrigiert, sondern wie in der Grundschule kommentiert werden („Man darf keinen Satz mit „und“ beginnen.“; „da fehlt ein Komma!“ – mach’s doch rein, du Plunze. Das spart Zeit und Nerven, außerdem solltest du die Idee bzw. die Kernaussage überprüfen, dass Ding geht sowieso noch zum Lektor – wer hat einen Kunden, der das versteht?

 Natürlich ist es psychologisch ganz einfach zu erklären, warum so reagiert wird, aber das ist doch schrecklich. Es kostet Geld, es ruiniert die Stimmung und führt letztlich dazu, dass die Idee abgetrieben wird. Denn irgendwann entscheidet der Marketingvorstand dann, als man ihm die Werbung wieder einmal vorstellt, dass er „den Scheiß“ nicht mehr sehen kann – wie lange die denn noch laufen soll, er will jetzt eine neue Kampagne on air haben.’

Bin gespannt, wie ihm seine Büttel erklären, dass der Spot nie außerhalb des Präsentationsraums gezeigt wurde….

Gibt es in deutschen Marketingabteilungen noch Menschen, die nichts von Excel, dafür aber was von Exzessen verstehen? Die wissen, was eine Idee ist und wie man sie managed? Natürlich respektiert jeder Stevie Wonder, aber käme es je jemand ernsthaft in den Sinn, ihn ins Komitee zur Förderung abstrakter Malerei zu berufen?

Eine Meinung

  1. Das Problem kenne ich nur zu gut, allerdings von der Marketingseite her. Viele Agenturen finden ihre eigenen Ideen so gut, daß sie dabei vergessen, daß auch auf Kundenseite kompetente Personen sitzen, die auch eine Meinung haben, die sich in der Regel auch auf Erfahrungswerte gründet. Solche Problem lassen sich in meinen Augen nur mit einer langfristig angelegten Zusammenarbeit von beiden Seiten lösen, da nur dann ein gemeinsames Grundverständnis und natürlich Vertrauen entstehen kann. Diese dauernden Pitches um die noch bessere Idee bringen in meinen Augen gar nicht, außer viel Aufwand und Frustration für beide Seiten.

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