Dein Freund und Helfer

Die Rede ist von den Ordnern, manche sind auch als "Staff" auf dem Umhang gekennzeichnet, oft mit Baseball-Cup. Die wichtigen Leute, die einmal im Jahr richtig was zu sagen haben. Im normalen Leben sind sie vielleicht LKW-Fahrer, Bäcker oder auch Verkäufer. Viele vermutlich schon auf Rente. Zu Hause hat die Frau die Hosen an, aber einmal im Jahr laufen sie zu Hochform auf.

In Deutschland können sie meist noch right, yes, no, OK. In Frankreich nur OK. Denn wer nach Frankreich kommt, soll gefälligst auch Französisch sprechen und verstehen. Beschilderung ist bei Le Mans nicht notwendig. Es komme ja sowieso immer nur dieselben Leute – und die wissen natürlich wo man sich als Journalist akkreditiert. Der Ordner weiß es nur so ungefähr. Also fädelt man sich wieder in den Stau ein und sucht einfach drauflos. Man sitzt ja erst seid acht Stunden im Auto. Besser wäre es, man wäre zu Fuß unterwegs. Aber wo soll man das Auto abstellen – und eigentlich ist ja noch gar nichts los in Le Mans. Es ist ja erst Mittwoch. Täglich wird der Strom der Autos dichter, der am Samstag dann den Höhepunkt erreicht.

Ich entscheide mich, ab Donnerstag nur noch zu laufen. Vom Hotel bis zur Rennstrecke sind es läppische 25 Minuten – die 8 Kilogramm Equipment machen den Spaziergang zur Totour – egal, da muss man durch. Zurück schaffe ich den Weg auch in 25 Minuten. Mit dem Auto würde ich 35 Minuten brauchen. Weil irgendwie kommt man nicht raus aus dem Circuit – ziemlicher Zirkus.

Vermutlich könnte ich mit meinen Parkausweis auch reinfahren. Aber der Staff sieht das anders. An dem ist kein vorbeikommen. Also laufen. Auch zu Fuß komme ich an ihn nicht vorbei. Denn da dürfen nur die Autos durch. Also noch einmal ein kleiner Umweg von 100 Metern. Bei einer Distanz von etwa zwei Kilometern kommt es darauf auch nicht mehr an.

Ich habe eine Akkreditierung E7. Da darf ich schon eine ganze Menge. Auf der Rückseite ist angekreuzt was ich darf und wo ich hin kann. Direction Course ist nicht angekreuzt. Da darf ich nur als Fotograf hin. Bin ich zwar, habe aber keine entsprechende Jacke, daher bin ich bis auf weiteres auch kein Fotograf mehr. Darf mit den anderen Fotografen nicht mehr diesen Job machen.

Wenn der Staff im Medien-Centrum mir eine Jacke leiht, bin ich wieder Fotograf – aber nur für eine Stunde. Dann muss ich die Jacke wieder abgeben. Die Jacke bekomme ich vermutlich nur, wenn eh keine Rennwagen auf der Strecke sind. Die Rennstrecke ist übrigens 13. 629 Meter lang. Man könnte daher locker 13.000 Jacken verteilen, dann würde jeder Fotograf einen Meter Platz haben. Aber es sind natürlich keine 13.000 Fotografen da. Man könnte sicherlich auch problemlos weitere Jacken verteilen, aber… das wäre vermutlich zu einfach.

Übrigens regnet es heute wie verrückt in Le Mans. Eigentlich müßte ich froh sein, dass ich keine Jacke habe. Denn mit Jacke müßte ich raus in den Regen. Ohne, kann ich im trockenen Pressezentrum sitzen. Ist doch ganz praktisch diese Ungerechtigkeit. Wie sage ich immer: Manchmal muss auch ein Arbeiterkind Glück haben.

Wenn die Kollegen, die über eine Akkreditierung entscheiden, diese Zeilen lesen, bekomme ich im nächsten Jahr vermutlich überhaupt keine Zulassung für Le Mans mehr. Denn eine Akkreditierung bekommt nicht jeder, der einen gültigen Presseausweis hat, sondern man muss auch nachweisen, dass man schreiben kann. Am besten ist, wenn auch über Le Mans schreiben kann.

So, das musste mal gesagt werden. Jetzt fühle ich mich schon wesentlich besser…

Fotos (c) Gerd Kebschull 

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