Das Omen

Als der Neffe des amerikanischen Botschafters Robert Thorn sein Kind bei der Geburt verliert, verschweigt er es seiner Frau – denn noch im Krankenhaus, bevor sie aufwacht, legt ihm ein katholischer Prieser nahe, ein anderes, neugeborenes Waisenkind anzunehmen. Der kleine Damien aber entpuppt sich jedoch spätestens an seinem fünften Geburtstag als Unglücksbringer : Seine Nanny springt „für ihn“ vor allen Gästen vom Dach des Familienanwesens in den Tod, im Zoo laufen die Tiere amok, sobald der Kleine mit dem starren, selbstherrlichen Blick auftaucht, und auch die Mutter traut dem Kind mit dem pechschwarzen Haar bald nicht mehr über den Weg.
Thorn versucht, die Geschehnisse zu ignorieren. Die Warnungen eines scheinbar irren Priesters über ein böses Omen will er nicht wahrhaben, selbst die äußerst merkwürdige Kinderfrau Mrs. Baylock, die seiner Frau von Anfang an suspekt ist (Mia Farrow, diesmal unter der Teufelsbande), läßt er im Hause Thorn wohnen. Erst als der Fotograph Keith, der die in der Öffentlichkeit lebenden Thorns seit Jahren fotografiert, auf seinen Bildern merkwürdige Zeichen zu entziffern glaubt, die den Tod in der Familie vorauszusagen scheinen, wird Thorn aktiv. Doch da bereits überstürzen sich die Ereignisse, und Thorn ist gedrängt, in einer Art Schnitzeljagd nicht weniger als den Untergang der Welt zu stoppen, koste es auch den Mord des eigenen Sohnes…

Auch das Remake des gleichnahmigen Films mit Gregory Peck aus den siebziger Jahren ist im wesentlichen eine Geisterbahnfahrt – eben mehr Horroreffekt als Thrill. Die nur lau unterlegte Motivation des Teufels, sich unter die Menschen der Weltpolitik zu mischen, um sie letztlich zu zerstören, ist Nebensache. Statt dessen funktioniert das Omen wie eine Achterbahnfahrt : Wie schrecklich (aufregend) ist das nächste Looping ? Wann und wie stirbt die Mutter ?  Welchen Horror wird der kleine Satansbraten als nächstes auftischen ? Insofern berührt das Böse im „Omen“ nur soweit, daß es die Horrorszenen der jeweils nächsten Todesszene heraufbeschwört. Dabei kann man Popcorn essen und sich an den stylisch gut fotographierten Szenen ergötzen.

Wer genau diesen Thrill sucht, kommt auch auf seine Kosten. Schade dennoch, könnte man sich denken, hatte doch z.B. „Des Teufels Anwalt“ vor neun Jahren ebenfalls den Aufstieg des Teufels in die entscheidende Oberschicht (damals : die großen Anwaltskanzleien) zum Thema. Hier wußte der Sohn des Teufels – Keanu Reeves als Staranwalt, der auch die miesesten Fälle gewinnt – nichts von seinem Draht zu Vater Satan (brilliant: Al Pacino). Die dunkle Seite der Welt zeigte sich eher in den Verführungen zu Macht, Reichtum, Ansehen und Eitelkeit, denen Keanu Reeves mehr und mehr unterlag, kurz: Die dunkle Seite der Welt war etwas alltägliches, dem jeder Mensch ab und an nur zu gerne unterliegt. Das berührte und brachte den Teufel näher, als es das Omen im Ausspielen klassischer Teufelsbilder versus katholisch-christlicher Ikonen tut. Denn der Schrecken bleibt doch aussen vor. Die meisten Zuschauer meiner Vorführung glucksten vor schrecklichem Vergnügen, teils aus Erleichterung, teils angesichts schrecklich lächerlicher Szenarien.

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