Danke, Sonnenstudio-Girl

Morgen gehe ich zur Küchenparty im berühmtesten Luxus-Hotel
der Stadt. Natürlich ist da beautytechnisch etwas Vorbereitung vonnöten. Also,
ruff aufs Fahrrad (wie viel Fett verbrennt man wohl auf 500 Metern Strecke?)
und mal eben dem winterkäsigen Teint auf die Sprünge helfen. Statt Teil für
Teil aus dem Kleiderschrank zu fetzen, will ich die kurze Relaxphase auf der
Sonnenbank für eine durchdachte Garderoben-Planung nutzen – oder wegdämmern
(Klamottenorgie macht ja auch Spaß). Doch mit dem ersten Schritt in das
orange-lila gestylte Reich wird mir klar: das geht schief. Hinterm Tresen lehnt
die Sun-Tan-Queen lässig kaugummikauend mit verschränkten Armen an der
gläsernen Vitrine. Mich würdigt sie keines Blickes, schließlich lauscht sie
nickend den Sorgen einer Kundin. Die hängt, die camouflage-gewandeteten Beine
ineinander verknotet, im Sessel und weint sich aus. “Klar wusste ich, dass
er verheiratet ist. Aber seine Frau hat ja total kein Verständnis für sein
Hobby.” Oh Gott. Will ich nicht hören, genauso wenig wie die dudelnde
großraumdiscotypische House Music. Her mit meiner Portion Ruhe. Hilfe brauche
ich nicht, ich kenn mich aus und hab ne Abokarte. Plappert Ihr nur, ich beam
mich weg. Fehlanzeige! Es wird zwar warm, aber aus dem Kopfhörer dröhnt nur die
gleiche Kotzmusik wie auf dem Flur. Zapp, zapp. Zapp, zapp, zapp. Madonnas
Discoalbum. Zapp. Nix. Jetzt geh ich sie würgen!! Ich wollte eine weichgespülte
Männerstimme! Robbie, Ronan oder Michael B. Aber Madame hat ja keine Zeit, eine
weitere CD in den Wechsler zu schieben. Nee, die muss ja hier einen auf
Psychoschnepfe machen. Wieder draußen, vergesse ich meinen Ärger. Die Aussicht
auf eine Kugel Apfelschmand-Eis von der kleinen Eisdiele um die Ecke, wirkt
Wunder. Nochmal 500 Meter Pedaletreten sind Alibi genug. Na, ratet mal, was für
Musik da lief…

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