Alte Werbung – Nostalgie bei Anzeigen und im Fernsehen

Manch einer sammelt alte Reklame in Form von Emailleschildern, Postern und Zeitungsschnippseln, andere freuen sich, wenn sie auf einer längst vergessenen Videokassette Aufnahmen aus längst vergangenen Werbetagen sehen. Dabei ist die alte Reklame auch immer ein Spiegel ihrer Zeit, so dass man alleine schon anhand der Werbung der 70er zum Beispiel ein Gespür für die Ästhetik und die Einstellungen einer Generation bekommen kann. Gerade für die 70er – deren Werbespots im Gegensatz zum darauf folgenden Jahrzehnt aufgrund noch nicht flächendeckend vorhandener Videorekorder heute spärlich gesät sind – sieht man einen Hang zu erdigen Farbtönen und einer bieder-bevormundenden Art, die ein noch ziemlich konservatives Gesellschaftsbild zeichnet.

Zeitgeist: Werbung der 70er und 80er

Die Werbung der 80er begann dann richtig zu nerven – nicht nur, weil sie penetrant und überstylt war, sich Mode, Design und Jugendkultur anbiederte ohne diese drei auch nur annähernd zu verstehen. Vor allem wurde die alte Reklame damals nervig, weil sie überall war und dafür dann auch noch ziemlich oft. In den 80ern kam das werbefinanzierte Privatfernsehen auf und während RTL und Sat1 mit einem in der Anfangszeit zusammengeschustertem Programm aus Wiederholungen, Trash und Bild-Zeitungs-Niveau schon schwer verdaulich waren, so waren es die extrem häufigen (und damals ungewohnten) Werbeunterbrechungen noch mehr.

Auf der anderen Seite musste somit aber das gediegene Image der Werbung der 70er abgelegt werden, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Beide Jahrzehnte bescherten uns allerdings Werbespots, die heute noch im Ohr klingen und das selbst bei denen, die in diesen Jahrzehnten nicht einmal dabei waren. Hier also ein kurzer Überblick der einprägsamsten Werbebotschaften aus den 70ern und 80ern.

Beispiele für alte Reklame

Die 70er:

Jacobs Kaffee: Karin Sommer (gespielt von Xenia Katzenstein) griff Hausfrauen bei der Kaffeewahl unter die Arme, vor allem wenn ihr rüder Mann mal wieder den Bohnenpatriarchen raushängen ließ.

Ariel: Frau Klementine wusste ganz genau, wie sie ihre Latzhose und ihre Schirmmütze nicht nur sauber, sondern rein waschen konnte und gab diese Information wenigstens ebenso gerne weiter, wie Frau Sommer ihren Kaffee.

Underberg: In den 70ern konnte man den “River Kwai March” pfeifend noch Wandervögel-gleich und Kräuterschnaps trinkend im Fernsehen auf verschiedene Hügel klettern.

Marlboro: Und auch die Zigarettenwerbung war noch nicht aus dem Programm rund um die Mainzelmännchen verschwunden und zeigte rauchende, harte Cowboys am Lagerfeuer. Ironische Randnotiz: Wayne McLaren, einer der Marlboro-Männer, starb einige Jahre später an Lungenkrebs.

Black & Decker: Der Beweis, dass Werbung auch schon vor den 80ern nerven konnte. Die schnelle Wiederholung des Markennamens in Imitation des Geräuschs einer Bohrmaschine prasselte auf das Trommelfell und drang somit direkt in die Synapsen ein.

Persil: Jan-Gert Hagemeyer war der Persil-Mann in Tagesschau-Sprecher-Manier und der Mimik und Gestik der Nachrichten-Begleitung in Gebärdensprache. Loriot hätte diesen Typus nicht besser persiflieren können.

Das Gard Haarstudio: Als Ratgeber getarnte Werbeshow, quasi eine Art Vorwegnahme der späteren Infomercials. Später wurde das dann durch die unschöne aber einprägsame Verwendung eines Abba-Songs (“Schönes Haar ist Dir gegeben…”) abgelöst.

Die 80er:

Allianz-Versicherung: Unvergessen: der Nachbarschaftsstreit um einen Kirschbaum, untermalt mit Reinhard Mey ähnlichen Klängen.

Bac Deo: Mein Bac, Dein Bac, Bac ist für uns alle da… Eine Familie teilt sich einen Deo-Roller.

Wrigley's Spearmint: Wenn eine Kaugummi-Packung zur Größe eines halben Surfbretts anschwillt.

Duracell: Rosa Plüschkaninchen trommeln um die Wette.

Chipsfrisch: Eine Werbung zu Knabberzeug, die sich auf verstörende Weise an Musikvideos à la “Yello” orientierte.

Studio Line: Haargel-Werbung im Piet Mondrian Design, inklusive Frisuren, die so nur äußerst selten zu sehen waren und den obligatorischen jungen, tanzenden Menschen jeglicher Herkunft aufwiesen.

Langnese: Wer in den 80ern ins Kino ging kam an “Like Ice in the Sunshine” nicht vorbei. Kurze Zeit später galt das übrigens auch für jeden, der das Radio anmachte.

Levi's: Die Jeans-Werbung für die 501 sorgte quasi im Alleingang für ein erneuertes Interesse an Musik der 50er und 60er.

Weitere Slogans und Spots, die sich in den 80ern auf ewig ins Hirn gebrannt haben (nicht zuletzt auch, da sie teilweise bis heute verwendet werden) sind der “Müller Milch, die schmeckt” Song, die Überraschung in “jedem siebenten Ei”, Dr. Best und seine Tomate, Frau Tilly und das Palmolive-Hände-Bad und die weltweit haltende Frisur durch Drei-Wetter-Taft.

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>