Say Wow!

Vor zehn Jahren starb Timothy Leary. Jetzt erscheint die ultimative Biografie des Egomanen und LSD-Papstes. Im New Yorker folgt Louis Menand Robert Greenfields “erschöpfender” Lebensgeschichte Learys von dessen 1960 ins Leben gerufenen Harvard Psychedelic Project, als jede psychologische Forschungsarbeit wie eine fette Drogenparty aussah, auf der die Probanden herumstanden und ‘wow’ riefen und mit der Einnahme von Halluzinogenen unter klinischer Aufsicht ihren Lebensunterhalt verdienten, bis zur Kriminalisierung der ganzen schönen Drogenwelt zehn wilde Jahre später. Dass Greenfield Leary und einige seiner Weggefährten gut gekannt hat, hält Menand nicht unbedingt für einen Vorteil: “Greenfield ist gründlich, aber nicht sonderlich effizient. Gut, dass er viele Überlebende dieser Zeit befragen konnte, weniger gut, dass er sie ungeschnitten drauflosreden lässt. Mündliche Überlieferung ist problematisch genug, als dass man sich auch noch auf Zeitzeugen verlassen sollte, die den größten Teil der betreffenden Zeit high gewesen sind. Greenfields Job wäre es gewesen auszuwählen und zu verdichten.” Das entstandene Porträt Learys als eines “herzlosen und zerstörten” Menschen findet Menand dennoch überzeugend.

John Updikes neuer Roman “Terrorist” (Leseprobe) über die Radikalisierung junger Muslime in den USA ist da. In der Book Review der N. Y. Times schreibt Robert Stone eine etwas müde Besprechung, als sei das Thema bereits durch. Ist es ja aber nicht. Richtig beeindruckt zeigt sich Stone nur von der Glaubhaftigkeit der Geschichte: “Updike kann sich gut hineindenken in die moralische Entrüstung, die dieses Land in den Herzen derer erzeugt, die unterprivilegiert und zugleich überzeugte Traditionalisten sind. Andererseits ist das Buch auch keine bloße Folge von Selbstanklagen.” Indem es “verschiedene Sichtweisen über die USA und ihr Image” in einem Plot zusammenführe, so Stone, übernehme es eine didaktische Funktion.

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