Kulturelle Lernung von ?Borat?

“Borat” ist böse und strotz vor schwarzem Humor. Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: der britische Komiker Sacha Baron Cohen, auch bekannt als seine Kunstfigur Ali G, gibt sich im Film als seine zweite bekannte Kunstfigur Borat aus, einem angeblich kasachischen Reporter. Im Auftrag des Informationsministeriums reist er in die US und A, um die amerikanische Kultur kennen zu lernen. Und um es noch einmal deutlich zu machen: Borat ist kein echter Kasache und auch die Vorstellung seiner Heimat entspricht nicht dem realen Kasachstan! Um genau zu sein, wurden diese Szenen in Rumänien in einem Dorf in dem vorwiegend Roma und Sinti leben gedreht.

Die Figur „Borat” sorgt für Kontroversen, weil sie halbdokumentarisch, reale Menschen mit rassistischen, sexistischen und antisemitischen Bemerkungen konfrontiert. Damit ist dieser Film natürlich völlig politisch inkorrekt. Wenn sich aber irgendjemand über diesen Film beschweren müsste, wären es die Amerikaner. Denn diese kommen gar nicht gut weg in der Konfrontation mit Borat. So erzählt ein Organisator des Rodeos, bei dem Borat die amerikanische Nationalhymne singen soll, Borat solle sich doch den Schnurrbart abrasieren, denn er sehe aus wie ein Terrorist und Moslem, zudem sei sein Begrüßungsküsschen schwul und Schwule sollte man alle hängen. Die Gruppe amerikanischer Schüler, die Borat per Anhalter mitnehmen, setzen Kasachstan fröhlich Russland gleich und meinen dass dort alle Frauen Sklaven seien. Dies sei auch völlig in Ordnung so und solle in den USA auch eingeführt werden. Zudem hätten die Minderheiten sowieso mehr zu sagen, als normale Bürger wie sie.

Das ansonsten von lautem Lachen erfüllte Kino ist in diesen Momenten mucksmäuschen still. Alle lauschen entsetzt den wirklich sexistisch, rassistisch und antisemitisch gemeinten Worten der realen Personen, denn das ist nun absolut nicht komisch. Daran sieht man aber auch, dass das Publikum sehr wohl in der Lage ist zwischen Satire und Realität zu unterscheiden. Das Lachen ist eine Mischung aus Belustigung und Verzweiflung. Wer dem Film Volksverhetzung vorwirft hat ihn nicht gesehen, denn gerade die so genannten Randgruppen, die der Film angeblich angreift, werden im Endeffekt am sympathischsten dargestellt. Das nette alte jüdische Ehepaar, das Borat ein Zimmer vermietet, die schwarzen Jungs aus dem Ghetto, die dem angeblichen Kasachen freundlich zeigen, wie man sich cool kleidet oder die schwarze Prostituierte, die Borat am Ende des Films heiratet.

Wirklich beeindruckend ist die schauspielerische Leistung Sacha Baron Cohens, der nie aus seiner Rolle fällt, auch nach dem Dreh nicht. Wird er zu seinem Film befragt, antwortet er als Borat, denn seine Satire soll selbsterklärend sein. Und das ist sie, wenn man sich nur die Mühe macht hinzugucken. Die Reaktion auf diesen Film sollte nicht sein den Film zu verbieten, sondern Konsequenzen daraus zu ziehen und etwas gegen die aufgezeigten Vorurteile zu tun.

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