Und immer wieder sonntags kommt die Erinnerung?


Mir jedenfalls geht dieses Gesprächsangebot, das ich ja als Zuschauer nur passiv konsumieren darf, seit geraumer Zeit unglaublich auf die Nerven.  In einer starken Phase des Unmutes stieß ich auf die Taschenbuchausgabe von Walter van Rossum: Meine Sonntage mit ´Sabine Christiansen´. Van Rossum spricht mir aus der Seele, er analysiert die Sendung, die mittlerweile ja auch schon aus dem weißen Haus kam, und zeigt auf,  wie wenig echte Inhalte oder Informationen, die sich zur eigenen Meinungsbildung weiterverarbeiten lassen eigentlich vermittelt werden.  Das Studio dient als Bühne für vermeintlich  aktuelle und kritische Recherche. Der Autor resümiert am Schluss: „Im Laufe der Zeit habe ich eine erstaunliche Beobachtung gemacht: Bei Sabine Christiansen staut sich der dräuende Fluss der Zeit zu einem schier uferlosen Teich. Alles fließt – nur Sabine Christiansen nicht. Alle Aktualität gerinnt zu kleinen Ewigkeiten“.
„Nach den … den tröstlichen Gewissheiten des Tatorts (Alle haben Dreck am Stecken) sondiert Sabine Christiansen das Gesellschaftsterrain. Unerbittlich stellt sie Fragen, die in das Dunkel unserer Zukunft weisen. Es treten auf: die Lobbyisten und ihre Statthalter im Parlament. Multimillionäre warnen davor, dass es kurz vor zwölf sei. Aber, bitte sehr, man könne ja auch ins Ausland gehen. Politiker führen entschlossen das Drama der Sachzwänge auf. Die große Koalition der Dauerreformer gibt sich die Ehre. Fast noch wichtiger als das, was gesagt wird, ist, was systematisch nicht gesagt wird. Komplexe Themen werden dramatisch vereinfacht und fortan in diese Richtung öffentlich diskutiert. Insofern eignet sich diese Sendung wie keine andere, um zu begreifen, wohin die Deutschland AG steuert.
In ‘Meine Sonntage mit Sabine Christiansen’ schreibt Walter van Rossum hellsichtig, intelligent und bitterböse über eine Medienlandschaft, die die Politik im eigentlichen Sinne längst zu überwuchern droht“ (Klappentext). KiWi Taschenbuch, 2004, 8,90 Euro.
 
 

2 Meinungen

  1. Endlich mal jemand, der das auch so sieht.

  2. Als Frau Christiansen mit ihrer Talkrunde auf Sendung ging, war dies durchaus eine Bereicherung unserer TV-Landschaft. Oder um es anders zu formulieren: Es war ein gutes Pendant zum Verblödungsfernsehen, und die Sendung hatte Anspruch.Als sich aber diese Talkrunde anfing, im Kreis zu drehen, da war Schluss mit lustig. Und das fing spätestens 3 Jahre nach Erstausstrahlung schon an.Immer die gleichen Themen, nur unter anderen Überschriften. Immer die gleiche Art von Gästen, kaum journalistischer Tatendrang und Tiefgang. Immer öfter entglitt Frau Christiansen die Moderationsführung. Fest gefahren, langweilig, schwarzmalerisch, pseudointellektuell. Der wochenletzte Hinweis, dass ab Montag sich wieder nichts ändern wird!Immer öfter nutzten Gäste die Runde zur Selbstdarstellung, obwohl nichts darzustellen war. Jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Was kommt nun?Der Staffelstab geht an Herrn Jauch.Wer will das?!GJ springt dann von “Wer wird Millionär” zu SternTV, kurz noch ein Spot dazwischengewürgt, wo man mit Bier die Welt verbessern kann, ab und an noch ein paar Sportkommentare, umschalten, und – wieder Jauch!Die Allzweckwaffe Jauch als qoutensichernder TV-Business-Faktor…Da kann ich nur noch empfehlen, wieder mal ein Buch zu lesen.Zum Beispiel “1984″ von Orwell.

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