Wahlspot(t)

„Ich arbeite hier in einem modernen Betrieb und natürlich bilden wir auch Lehrlinge aus.“ Alles Lüge. Der vermeintliche Fabrikarbeiter ist arbeitslos – langzeitarbeitslos. Der Job als Kleindarsteller in dem SPD-Spot, den er über den Künstlerdienst der Agentur für Arbeit erhielt, unterbrach diesen Zustand nur kurzzeitig. Harald B. der arbeitslose Arbeiter fand es zwar „komisch, einen Arbeiter zu spielen“, nahm das Job-Angebot der Arbeitsagentur aber schließlich an.

Für den SPD-Landesgeschäftsführer, Thomas Krüger, ist es „ein übliches Verfahren, dass man Darsteller für Wahlkampf-Spots castet“, die Kritik findet er unbegründet. Recht hat er, für Filme werden Schauspieler gecastet. Aber über die Agentur für Arbeit? Beschäftigungsprogramm a la M-V?

Anscheinend war es ziemlich schwer, reale, kamerataugliche Arbeiter für den Videodreh zu finden. Aber in der Armada der Arbeitslosen in M-V fand sich dann doch noch ein telegener Mensch, der wenigstens die Botschaft vermitteln konnte. Dass sich der Spot nun unfreiwilligem Spott aussetzen muss, der Arbeitslose Harald seine „Traumrolle“ als Arbeiter nur für einen Videodreh vermittlet bekommt und das Video so zur unfreiwilligen Parodie verkommt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Es ist aber auch ein Sinnbild für den Wahlkampf in M-V, der so inhaltslos wie nie zuvor geführt wurde. Und er passt in die langjährige Diskussion über Politikverdrossenheit. Der Vertrauensverlust spiegelt sich hier auf einer Meta-Ebene ab. Wahlwerbung verkommt zur Fiktion. Ein Glaubwürdigkeitsproblem sehen die Verantwortlichen nicht, und am Ende werden die Wogen der Zeit auch dieses dunkle Kapitel des Wahlkampfes in Vergessenheit spülen. Dank der Verlängerung der Legislaturperiode haben sie dafür nun auch noch ein Jahr mehr Zeit.

Quelle: Nordeutsche Neueste Nachrichten (Artikel ist nur einen Tag for free online)

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